Archiv für den Monat April 2010

Bipolarität

Dieser Bär hat lange geschwiegen. So lange gar, dass seine virtuelle Existenz völlig obsolet geworden ist. Aber wo das Obsolete ist, ist die Rettung nah, wie einst der Hölderlin geschrieben hat. Ich muss meinen Überlegungen eine Bemerkung voranschicken bezüglich meiner Kommasetzung. Ich kann das nicht, und es tut mir, leid. Aber du, lieber Leser, kannst du dich nicht einfach wie auf einem Surfbrett über die Wellen meines Textes gleiten lassen? Kannst du nicht – dich mit dem unerwarteten, abfinden? Wellenreiter sein. Kannst du nicht – deine Atmung meiner bärisch undudenesken Kommasetzung anpassen? Versuch das, mal.

Ich wollte etwas über ein gewisses Phänomen berichten, das meine Ohren zufällig aufgefangen haben. Das Phänomen hat etwas mit menschlicher Kommunikation zu tun. Wenn die Menschen miteinander ueber ein Thema diskutieren, scheint es mir, dass irgend etwas das Gespraech in eine bipolare Angelegenheit umwandelt. Diese Transformation, deren Gesetze ich gerade dabei bin, mathematisch genau zu formulieren, erfuellt eine wichtige Funktion fuer die Art und Weise, wie die Menschen kommunizieren. Es sei mir gestatten, ein Beispiel zu erwaehnen (und entschuldigen Sie mich, das die Deutsch-Funktion meiner Tastatur nicht richtig funktioniert).

Beispiel. Was haelst denn du von dem Afghanistan-Krieg?
– Na, ich weiss nicht, ich war nie dort und… ich glaube wenn das Militaer und die Politik transparent und klug entscheiden, dann…
Also, du bist dafuer?
– Das, nein, ich habe mir noch keine Meinung gebildet.
Das heisst du bist dafuer. Der Krieg wird naemlich gefuehrt und fordert Opfer.
– Ach…
Du Fascist!
– Ach…
Ich reibe es dir unter die Nase, du Pappnase. Du bist einer von denen, die zu faul und feige sind, sich eine Meinung zu bilden und vollkommen an der Welt vorbei leben.
– Ich habe doch nur…

und so weiter. Ich hoere auch immer haeufiger solche Gespraeche ueber Kultur: Buecher, Kinofilme, Lieder die die Menschen schreiben. Wir Baeren machen das anders. Das war aber nicht einfach, und es hat so manche Baerengeneration gedauert, bis wir dort angelangt sind, wo wir jetzt, also, sind. Anstatt dass wir eine Frage als ja/nein Frage verstehen, zwingen wir Baeren uns, die Moeglichen Antworten als Farben des Farbenspektrums vorzustellen. Was haelst du denn von dem Krieg? Blau. Aber auch rot, oder? Ja, aber eher Lila als Rosa. Und was ist mit gruen? Stimmt. Doch. Das macht aber braun. Und braun ist er, der Krieg…