Archiv für den Monat Dezember 2011

Triebabsorptionstheorie

triebabsorptionstheorie van E.H. Gotefreud, Zeitgenosse des Georg Lichtenberg

Unser Verhalten wird bestimmt durch eine associative Gruppe von Reactionsregeln, die bestimmen, wie wir mit Eindrücken (mental oder sinnlich) umgehen.

Diese Gruppe von Reactionsregeln ist de facto ein Trieb. Die Vorstellung dass eine Entität im Nervensystem dem Verhalten vorausgeht ist falsch [und] es ist eine begriffliche Abstraction. Der gleiche Triebzusammenhang tritt immer wieder neu auf. Nun lassen sich so Triebe identificiren. Festere Triebe sind Verhaltensmuster oder Regeln die vor der Geburt an erlernt werden, wie zum Beispiel der Saug-reflex. Sie [diese Verhaltensmuster] lassen sich doch ändern, jedoch dies kann nur sehr aufwendig geschehen. Beispiele belegen dies.

Das Resultat dieser Regeln ist ein bestimmtes Verhalten oder eine Interaktion mit anderen Regeln. Diese Interaktion kann zu Absorption der ursprünglichen Trieben führen: dazu dass ihm nicht gehorcht wird und ein anderes Verhalten sich einstellt. Das Verhältniss der Trieben unter einander ist folglich zu beschreiben als ein ständiger Kampf.

Nur darum können wir die Triebe und deren Absorption identificiren. Die Identification geschieht im Nachhinein, wir können nicht das Walten der Triebe selbst beobachten.

Die Absorption findet auf vorbewusste Ebene statt und das was [wir] später als unsere Freiheit identificiren ist damit bereits vorgegeben.

Wenn sich die Triebe hinreichend heraus gebildet haben, dann eröffnet sich gleichwohl die Möglichkeit ihrer Absorption als Resultat ihrer Interaktion (durch gegenseitige Auslöschung).
Darin erblicken wir eine Vorstufe des bewussten Willens.

Weil Interaktion auf höherer Ebene sich abspielt zwischen bewusst erinnerte Regelschemata […] Wir erinnern uns zum Beispiel Gerüche und unsere Reaktion stellt sich dann darauf ein. Wenn dieser junge Trieb infolgedessen vom Gesamttriebkomplex absorbirt wird, und ein anderes Verhalten sich ergiebt, dann erfahren wir die Diskrepanz zweier Welten und dass wir eine Rolle spielen und werden [uns] unsere Handlungsoptionen bewusst. […] diese Handlungsoptionen sind indessen das reale Ergebnis zweier Treibkomplexe die sich gegenseitig auslöschen und neutralisieren.

Der bewusste Wille als Effect [kann] daher durch zwei oder mehrere Triebe simulirt werden, aber nie durch ein Einziger.
Dies kann aber nur im Contexte unseres gelebten Leibes statt finden, weshalb der bewusste Wille am Leibe gebunden ist. Seine Existenz haben wir bisher nicht nachgewiesen (ich beabsichtige, dies bald vorzunehmen). Es haengt damit zusammen, dass die sich gegenseitig auslöschenden Triebe in der zarten Region des beinahe balancirt-seyns, sich dermaassen leicht umkippen lassen, [dass] wir dies bewerkstelligen können indem wir nur daran denken. Damit wäre auch der freie Wille und seine Funcktion im Geistesleben dargelegt.

 

Die alten Gedanken

Verweht mit dem Wind, ihr alte Gedanken
Euer Herr will sich jetzt erholen
Ich erzeugte, die aus meinem Geiste tranken
Doch jetzt kann euch der Teufel holen!

Ihr guckt verblasst, verwundert
„Wass soll denn das, haben wir ausgedient?“
Stoff sind wir, für noch ein halbes Jahrhundert
Besser haben wir es wohl verdient.

Die jugendliche Frische habt ihr längst schon verloren
Und wo ihr jetzt ums Überleben kämpft
Werden mir morgen schon neue Gedanken geboren
Spart euch die Mühe! Warum euch hübsch verkleiden?
Für euch ist kein Platz mehr zwischen meinen Ohren
Nur die Bücher, die können euch noch leiden!

Wert-schaetzung

Denn das ist meine Kritik an euch. In eurer Gesellschaft habt ihr alles ausgelagert, alles extern gemacht. Für alles gibt es Experten, Fachmenschen – und das läßt sich nicht vermeiden weil ihr so viel wißt. Das Expertentum ist Sachwissen und Urteilsvermögen. Ihr seid daran gewöhnt, Experten über euch urteilen zu lassen. Aber das Ergebnis habt ihr selber zu bewerten. Und das ist meine Kritik an euch. Ihr seid hoffnungslos überfordert, die Sachen die noch in eurer Lebenswelt eine Rolle spielen, wert zu schaetzen. Die Wert-Schaetzung selbst habt ihr aus Händen gegeben;-

Schau

Das Warten. Es sind Menschen

vor und hinter mir

mit Blumen und gepuderten Gesichter

ich nehme manch ein Lächeln wahr

auf rubinroten Lippen

Es sind echte Menschen hier,

und alle wollen einen Toten sehen.

 

Die Schlange schiebt sich wie von selbst

durch das sterile Zimmer wo der Sarg steht

mit geneigten Köpfen, und Gedanken,

strömen sie murmeln seufzen schwitzen

Gummisohlen auf schwarzem Marmor

 

An der Reihe bin ich, flüchtig fällt mir ein ich

habe mich heute morgen nicht rasiert

dann küsse ich die geliebte Stirn zum letzten Mal.

Hans Jonas Zitat: Zwecke

Ein Zitat von Hans Jonas, das gleich ins Herz meiner Doktorarbeit trifft:

„Wir haben die erfahrene Freiheit als Ausgangspunkt für eine ontologische Hypothese genommen. Die Steigerung der Mittelbarkeit in der Natur verfolgen. Das ist aber noch keine Zweckhaftigkeit. Eine Richtung in der Natur ist etwas anderes; diese Annahme folgt aus der Entwicklung der Freiheit. Um diese jedoch mit der Naturwissenschaft im Einklang zu bringen, kann dieses Gerichtetsein nichts anderes bedeuten als ein Korrollar bei der Entwicklung. Denn das Subjekt des Zweckes ist hypothetisch.
Was Zwecke angeht kann nicht nachgewiesen werden, dass es die beste Chance für unsere Ontologie ist, die wir haben müssen. Der Unterschied zwischen Ursprung und Gebrauch der Freiheit ist die Konsequenz.“

Die Arbeit mit dem Titel „Freiheit und Verantwortung bei Hans Jonas“ habe ich vor einigen Monaten eingereicht – seitdem herrscht Funkstille. Also habe ich noch keine offiziellen Papiere und darf ich dementsprechend auch noch nicht mit einer Doktorfaust auf den Tisch hauen (nicht das es mich im Geringsten stört, es erklärt manchem Leser  wer ich bin).