Archiv des Autors: Kamiel Choi

Über Kamiel Choi

Dutch philosopher and poet, sometimes sharing thoughts on the internet.

Böhmermannverehrung

boehmermann

Oh wie billig sind die Witze über Erdogan
du weißt, jener schwule Ziegenficker mit Großenwahn
der mit seinen verschrumpften Eier und sein nichtigem Glied
schon Anlass war für manch ein schmählich Lied

teuer aber ist die Meinungsfreiheit der freien Welt
egal wie ein Satiriker wedelt mit dem Schwanz und bellt
egal wieviel der türkische Diktator darüber flucht und flennt
in der Rechtsordnung der Bundesrepublik ist er tatsächlich impotent

Die Flüchtlingsdebatte nach Rilke

Grabmal eines jungen Mädchen

Wir gedenkens noch. Das ist, als müßte
alles dieses einmal wieder sein.
Wie ein Baum an der Limonenküste
trugst du deine kleinen leichten Brüste
in das Rauschen seines Bluts hinein:

– jenes Gottes.
Und es war der schlanke

Flüchtling, der Verwöhnende der Fraun
Süß und glühend, warm wie dein Gedanke,
überschattend deine frühe Flanke
und geneigt wie deine Augenbraun.

Im Wiener Supermarkt

Kunde zahlt eine Flasche O-Saft mit einem 100 Euro-Schein.
Kassiererin: “Da geht das Wechselgeld für eine ganze Woche.”
Nächster Kunde: “Grüß Gott. Ich hab’ leider auch nur einen 50-Euro Schein.”
Kassiererin (mit osteuropäischem Akzent): “Leider? Ich wünsche mir ich hätte einen 50er Schein in der Hand.”
Kunde schmunzelt.
Kassiererin: “Das ist nicht zum Lachen.”
Kunde (während seine Einkäufe gescannt werden):
“Darf man im Supermarkt auch Trinkgeld geben?”
Kassiererin: “Nicht alles auf einmal.”
Kunde wiederholt die Frage wenn er sein Wechselgeld bekommt.
Kassiererin: “Nein, das darf man nicht.”

Der Patient

Patient sieht links das meer, rechts hotels voraus die leere versaufen in luxus ratlos seine lippen um eine flasche geschlossen die augen halb geschlossen still setzend was er still setzen kann. wünscht ganz verschwommen zu werden. kontouren. von der liebe erhoben, wünscht dass blei in seinen wimpern unsichtbar bleibt. seine hand zittert, finger aber regungslos. bildet leuchttürme zu weit auseinander. badet lange. seine haut faltig, sein geschlecht vermutlich ohne gefühl. gewöhnt sich hier nicht, 10mg erste woche, jeweils plus 5mg danach, bis ende

Burkina und die Frankfurter Schule

Gestern in der FAZ: “Bundesverwaltungsgericht gibt Frankfurter Schule recht”.

Endlich! Die Dialektik der Aufklärung gerichtlich anerkannt. Horkheimer und Adorno rehabilitiert. Die zwangsläufige Umnachtung des Abendlandes, die wir gerade erleben, ist damit theoretisch auf festen Füssen gestellt. Die unbequeme Wahrheit – die manchen Recenzenten der Aufsatzsammlung von 1947 entgangen ist – dass das Projekt der Aufklärung immer dann mehr Düster erzeugt als es verdrängt, wenn es versucht, unsere innere Natur zu entmythologisieren, ist endlich von Seiten der Juristerei bescheinigt. Nicht dass sie es gebraucht hätte, aber immerhin.
Dass Mädchen gezwungen werden können, am koedukativen Schwimmunterricht teilzunehmen, weil der Vollkörperbadeanzug, der Burkina, eben keine Einblicke gewährt, wird allgemein als Sieg einer Integrationspolitik gesehen, die aber das “auf einander zugehen” und der “offene Dialog” um jegliche Spontaneität bringt, indem sie sie verpflichtet.
Nicht nur den gesunden Jungen, die neben dem integrierten Moslimmädchen schwimmen und neugierig auf seine verpackte Brustregion schielen, dichtet man einen absoluten Mangel an Vorstellungsvermögen zu; auch den Bürgern wird die Fähigkeit abgesprochen, ohne staatliche Intervention miteinander klarzukommen. Eifrig wird versucht, Untertanen zu kreieren, die sich jene Form instrumentalisierter Rationalität verschreiben, die ihre gelebten Paradoxen aufzulösen nicht kühl dem Sonntagnachmittag überlassen kann – was sie letztendlich konsequent in die Selbstzerstörung treiben wird.

Mit anderen Worten: Aus Integration wird eine Trockenschwimmübung, und durch den Fleiss der Richter schlägt früher oder später die Aufklärung mal wieder in ihr Gegenteil um. –
Eckhard Krohneimer, überlebender Achtundzecher

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=350]

.

Im philosophischen Schraubstock

FDP-Wahlplakat: “Gerechtigkeit statt Umverteilung”
Gerechtigkeit heisst hier die Gerechtigkeit des freien Marktes, oder der unsichtbaren Hand. Freiheit sollte die einzig wichtige Grundlage einer liberalen Partei ausmachen. Freiheit, als ein solch elementarer politischer Begriff, mehr elementar noch als die Gerechtigkeit, müsste die letztere bestimmen können. Die Freiheit kann der Gerechtigkeit etwas anhaben. Die freie Wahl – zum Beispiel die Wahl einer sich selbst widersprechende politische Partei – müsste Gerechtigkeit oder eben Ungerechtigkeit herbeiführen können. Nun lässt der Gerechtigkeitsbegriff vom FDP-Plakat dies nicht zu. Gerechtigkeit wäre nur dann real, wenn Freiheit entweder nur die gelbe Freiheit von FDP-Anhänger ist, oder sich selbst beschränkt und vor der Umverteilung zurückscheut, wenn also die Nichtanwendung revolutionärer Freiheit von oben diktiert wird.

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=345]

.