Archiv der Kategorie: General

Im Wiener Supermarkt

Kunde zahlt eine Flasche O-Saft mit einem 100 Euro-Schein.
Kassiererin: “Da geht das Wechselgeld für eine ganze Woche.”
Nächster Kunde: “Grüß Gott. Ich hab’ leider auch nur einen 50-Euro Schein.”
Kassiererin (mit osteuropäischem Akzent): “Leider? Ich wünsche mir ich hätte einen 50er Schein in der Hand.”
Kunde schmunzelt.
Kassiererin: “Das ist nicht zum Lachen.”
Kunde (während seine Einkäufe gescannt werden):
“Darf man im Supermarkt auch Trinkgeld geben?”
Kassiererin: “Nicht alles auf einmal.”
Kunde wiederholt die Frage wenn er sein Wechselgeld bekommt.
Kassiererin: “Nein, das darf man nicht.”

Der Patient

Patient sieht links das meer, rechts hotels voraus die leere versaufen in luxus ratlos seine lippen um eine flasche geschlossen die augen halb geschlossen still setzend was er still setzen kann. wünscht ganz verschwommen zu werden. kontouren. von der liebe erhoben, wünscht dass blei in seinen wimpern unsichtbar bleibt. seine hand zittert, finger aber regungslos. bildet leuchttürme zu weit auseinander. badet lange. seine haut faltig, sein geschlecht vermutlich ohne gefühl. gewöhnt sich hier nicht, 10mg erste woche, jeweils plus 5mg danach, bis ende

Burkina und die Frankfurter Schule

Gestern in der FAZ: “Bundesverwaltungsgericht gibt Frankfurter Schule recht”.

Endlich! Die Dialektik der Aufklärung gerichtlich anerkannt. Horkheimer und Adorno rehabilitiert. Die zwangsläufige Umnachtung des Abendlandes, die wir gerade erleben, ist damit theoretisch auf festen Füssen gestellt. Die unbequeme Wahrheit – die manchen Recenzenten der Aufsatzsammlung von 1947 entgangen ist – dass das Projekt der Aufklärung immer dann mehr Düster erzeugt als es verdrängt, wenn es versucht, unsere innere Natur zu entmythologisieren, ist endlich von Seiten der Juristerei bescheinigt. Nicht dass sie es gebraucht hätte, aber immerhin.
Dass Mädchen gezwungen werden können, am koedukativen Schwimmunterricht teilzunehmen, weil der Vollkörperbadeanzug, der Burkina, eben keine Einblicke gewährt, wird allgemein als Sieg einer Integrationspolitik gesehen, die aber das “auf einander zugehen” und der “offene Dialog” um jegliche Spontaneität bringt, indem sie sie verpflichtet.
Nicht nur den gesunden Jungen, die neben dem integrierten Moslimmädchen schwimmen und neugierig auf seine verpackte Brustregion schielen, dichtet man einen absoluten Mangel an Vorstellungsvermögen zu; auch den Bürgern wird die Fähigkeit abgesprochen, ohne staatliche Intervention miteinander klarzukommen. Eifrig wird versucht, Untertanen zu kreieren, die sich jene Form instrumentalisierter Rationalität verschreiben, die ihre gelebten Paradoxen aufzulösen nicht kühl dem Sonntagnachmittag überlassen kann – was sie letztendlich konsequent in die Selbstzerstörung treiben wird.

Mit anderen Worten: Aus Integration wird eine Trockenschwimmübung, und durch den Fleiss der Richter schlägt früher oder später die Aufklärung mal wieder in ihr Gegenteil um. –
Eckhard Krohneimer, überlebender Achtundzecher

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=350]

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Orakel Augstein

Wie klingt die Stimme der Mittelmässigkeit? In seiner Kolumne gibt Jakob Augstein sich von seiner besten Seite. Es geht darum, dass neulich Begriffe wie Gerechtigkeit, Verantwortung und Demokratie ausverkauft wurden. Merkel tut einfach, egal was der Bundestag sagt. Interessant, denke ich mir, und lese den Text. Wir müssen die Begriffe zurückerobern, so steht es geschrieben, denn dann wäre die Welt wieder in Ordnung. Jetzt ist es nur ein Chaos von in einander verstrickter, von Zynismus gelähmter Zünfte, und so wählt Augstein seine Adjektive präzise, wenn er die Eigene verteidigt:

“Wir haben unsere Verantwortung delegiert – und dann ist sie im Dickicht furchtsamer Politiker, gieriger Banker und verständnisvoller Journalisten einfach verschwunden.”

Dass es die konventionellen Medien sind, die den ultimativen Demokratisierungsprozess des freien Informationsflusses jetzt aufhalten, will er nicht wahrhaben. Die Murdocks und Springers dieser Welt sind es, die immer wieder, und immer gekonnter, genau die Nachrichten bringen, die den eigenen finanziellen Interessen zweckdienlich sind, während sie (noch) ein optimiertes Mindestmass an Glaubwürdigkeit schaffen. Über Proteste in “Demokratien”, gegen Monsanto, gegen Keystone XL, gegen Fracking, wird kaum berichtet.

Augstein hält aber einen guten Rat für die Aktivisten, die in den Medien systematisch unterrepräsentiert werden, bereit, zitiert von Ingo Schulze:

“Wir müssen über die Geste und die symbolische Handlung hinaus unseren Willen gewaltlos kundtun, und dies – wenn nötig – auch gegen den Widerstand der demokratisch gewählten Vertreter.”

“Gewaltlos kundtun”: ist das nicht genau was eine symbolische Handlung ausmacht? Und ist es nicht genau das, was Augstein nicht einzusehen vermag, dass auch die lupenreinen Demokratien nicht handlungsfähig sind, wenn es darauf ankommt, die ökologische Katastrophe abzuwenden? Und dass es die “verständnisvollen Journalisten” sind, die sich endlich der Aura des Kapitals entziehen müssten und statt immer wieder eine Selbstanalyse des elitären Zynismus zu bringen, jenen Leuten Aufmerksamkeit schenken sollten, die durchdachte Alternativen haben für eine Permanenz menschlicher Kultur auf einem lebendigen Planeten.

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=334]

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25 January, 2013 07:33

Eine Industriegesellschaft funktioniert nur dann, wenn „mehr Glück“ mit „mehr Konsum“ gleichgesetzt werden kann, und die ständige Herstellung dieser Gleichsetzung durch Konsumpropaganda ist die erste Aufgabe einer solchen Gesellschaft. Lässt diese Identifikation nach, dann verwandelt sie sich in eine sinnleere Diktatur des Kapitals. – Erwin Hopper, 1984

Skalpell richtig ansetzen

Alle religiösen, islamistischen oder sonstig falsch ideologisierten Vergewaltiger, die auf Beschneidung stehen, und das Recht auf Geschlechtsverstümmelung ins Grundgesetz verankern wollen, werden fortan nachträglich zwangsbeschnitten, und zwar am Ansatzpunkt ihrer Männlichkeit. – Herbert Schwänzchen, Glied der Bundestagsfraktion der Partei für die ewige Gerechtigkeit