Orakel Augstein

Wie klingt die Stimme der Mittelmässigkeit? In seiner Kolumne gibt Jakob Augstein sich von seiner besten Seite. Es geht darum, dass neulich Begriffe wie Gerechtigkeit, Verantwortung und Demokratie ausverkauft wurden. Merkel tut einfach, egal was der Bundestag sagt. Interessant, denke ich mir, und lese den Text. Wir müssen die Begriffe zurückerobern, so steht es geschrieben, denn dann wäre die Welt wieder in Ordnung. Jetzt ist es nur ein Chaos von in einander verstrickter, von Zynismus gelähmter Zünfte, und so wählt Augstein seine Adjektive präzise, wenn er die Eigene verteidigt:

“Wir haben unsere Verantwortung delegiert – und dann ist sie im Dickicht furchtsamer Politiker, gieriger Banker und verständnisvoller Journalisten einfach verschwunden.”

Dass es die konventionellen Medien sind, die den ultimativen Demokratisierungsprozess des freien Informationsflusses jetzt aufhalten, will er nicht wahrhaben. Die Murdocks und Springers dieser Welt sind es, die immer wieder, und immer gekonnter, genau die Nachrichten bringen, die den eigenen finanziellen Interessen zweckdienlich sind, während sie (noch) ein optimiertes Mindestmass an Glaubwürdigkeit schaffen. Über Proteste in “Demokratien”, gegen Monsanto, gegen Keystone XL, gegen Fracking, wird kaum berichtet.

Augstein hält aber einen guten Rat für die Aktivisten, die in den Medien systematisch unterrepräsentiert werden, bereit, zitiert von Ingo Schulze:

“Wir müssen über die Geste und die symbolische Handlung hinaus unseren Willen gewaltlos kundtun, und dies – wenn nötig – auch gegen den Widerstand der demokratisch gewählten Vertreter.”

“Gewaltlos kundtun”: ist das nicht genau was eine symbolische Handlung ausmacht? Und ist es nicht genau das, was Augstein nicht einzusehen vermag, dass auch die lupenreinen Demokratien nicht handlungsfähig sind, wenn es darauf ankommt, die ökologische Katastrophe abzuwenden? Und dass es die “verständnisvollen Journalisten” sind, die sich endlich der Aura des Kapitals entziehen müssten und statt immer wieder eine Selbstanalyse des elitären Zynismus zu bringen, jenen Leuten Aufmerksamkeit schenken sollten, die durchdachte Alternativen haben für eine Permanenz menschlicher Kultur auf einem lebendigen Planeten.

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=334]

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Gewöhnung

Das “Ego” ist eine Gewohnheit, so wie Rauchen, und sonst nichts. Wir sollten nicht über das Ego sprechen, als ob es ein Ding wäre. “Das Ego in mir” ist so etwas wie “der Raucher in mir” – und dagegen – oder: dafür – hilft nicht halb verstandene metaphysische Gaukelei, sondern ein Wechsel unserer Gewohnheiten.

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=326]

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24 June, 2013 06:51

Wer ist der beste Pazifist?

Wer angesichts Vergewaltigung und Mord
– Er ist gerade selber vor Ort –
Lieber nicht schiesst und passiv ist
Der ist der beste Pazifist.

Wie die allermeisten Abstraktionen, ist Pazifismus in letzter Konsequenz eine Perversion dessen, was es versucht zu widersprechen. Es gibt kein absolutes Gebot, das unter gewissen Umständen nicht genau das Gegenteil bewirkt.

Georg Schimmel – Internetartist

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=322]

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Was „bedeutetet“ Ethik?

Die “Bedeutung” eines Wortes liegt in seinem Gebrauch beschlossen. Nehmen wir das Wort “Ethik” und lesen wir was wir in der Öffentlichkeit über es vorfinden. “Ethik” ist dort nur noch eine nervige, den Spaß verderbende Fußnote bei der Genforschung, die ohnehin nicht aufgehalten werden kann. Ethik in unserer Gesellschaft ist etwas vollkommen passives, eine realitatsferne, todmüde Kommentarstimme.

Original auf [http://denkentutnichtweh.creativechoice.org/?p=313]

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